Kräuterheilkunde

Die wichtigste Säule der Chinesischen Medizin ist die Kräuterheilkunde. Beschreibungen von Einzelkräutern sind schon über 5000 Jahre alt. Die Rezepturbücher mit denen heute noch gearbeitet wird, wie z.B. das berühmte Shang Han Lun, sind fast 2000 Jahre alt.

Aus diesem Umstand resultiert eine ungeheure Erfahrung hinsichtlich der Mischungsverhältnisse und der Wirkungsweisen.

Jede Patientin und jeder Patient bekommt eine eigens abgestimmte Rezeptur. Auch hierin liegt ein großer Vorteil. Die Dosierung kann ganz individuell an Alter, Körpergewicht und Gesundheitszustand angepasst werden.

Für diese Art der Therapie ist es wichtig, dass Apotheken mit wirkstoffvollen und rückstandsfreien Heilpflanzen in der Nähe sind. Gerade bei der Behandlung akuter Erkrankungen, müssen die Patienten ihre Teemischung in weniger als einer Stunde bekommen können.

In Berlin haben wir zum Glück ein halbes Dutzend Apotheken, die diese Anforderung erfüllen. Meine Patienten gehen meist in die Apotheke, die am nächsten an ihrer Wohnung oder ihrem Arbeitsplatz liegt. Ich arbeite mit allen gerne zusammen.

Vorteile Chinesischer Heilplanzen

Europäische Patienten können vor allem davon profitieren, dass sie noch nicht an die chinesischen Kräuter gewöhnt sind. Deshalb kann ich als Therapeut sehr niedrig dosieren, oft nur ein Drittel dessen, was in den chinesischen Originalrezepten steht. Wenig Kräuter - niedrige Kosten - große Wirkung.

Gerade hier sehe ich einen großen Vorteil. Das ist auch ein Grund, warum ich nicht so viel mit westlichen Kräutern arbeite. Meine Patienten kümmern sich meist um ihre Gesundheit, essen gerne und kochen gut. Durch den ständigen Gebrauch von Heil- und Würzpflanzen baut sich aber leider eine Toleranz auf, so dass entsprechend höher dosiert werden muss.

Wem aber die chinesischen Tees absolut nicht schmecken, verschreibe ich auch gerne westliche Kräuter.

Kampo - Japanische Phytotherapie

Die Japanische Kräuterheilkunde, Kampo genannt, basiert auf der Chinesischen Pharmakologie. Ihre Entwicklung hat viel mit der Geschichte Japans zu tun. Immer wieder gab es Perioden großer Offenheit, in denen neue Einflüsse aufgenommen wurden, und Zeiten in denen sich Japan verschloss, in denen die Neuerungen dann verfeinert und japanisiert wurden.

Die Grundlage für die Kampo-Medizin sind die chinesischen Medizinbücher aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Das wichtigste Werk ist das berühmte Shang Han Lun. Diese Bücher gelangten im 5. Jahrhundert nach Japan.

In Japan wurde vor allen erforscht, in welchen Pflanzenteilen die höchsten Wirkstoffkonzentrationen zu finden sind. Nur diese werden in der Kampo-Rezeptur eingesetzt. Deshalb sehen die Schnitte der Heilkräuter auch ganz anders aus, und die Dosierungen liegen weit unter den chinesischen, jedoch bei optimiertem Wirkstoffgehalt.

Auch die Diagnostik ist in der Kampo-Medizin anders. Während in der chinesischen Diagnose Puls und Zunge die wichtigsten Informationen liefern, ist es es hier der Tastbefund des Bauches.

Ein wichtiger Vorteil in unserer Zeit besteht aber darin, dass Japan heute, als fortschrittliches Industrieland der ersten Welt, mit einem Gesundheitswesen, das dem in Europa entspricht oder besser ist, ebenso wie Deutschland sehr kritisch mit Grenzwerten für evtl. Rückstände umgeht. Die Kampo-Drogen werden von einer einzigen Importfirma nach Deutschland gebracht und nur über ausgewählte Apotheken ausgeliefert. Dadurch haben Therapeuten und Patienten, vor allem solche, die als chronisch Kranke einer Dauermedikation bedürfen, höchste Therapiesicherheit.

Westliche Kräuterheilkunde

Die Westliche Kräuterheilkunde spielt in meiner Praxis insofern eine Rolle, als das die Kräuter für mich die Brücke zwischen Medizin und Küche bilden. In den Kochkursen mit westlicher Küche geht es immer auch um Würz- und Heilpflanzen.

Meine Rezepte für westliche Heilkräuter stammen zum größten Teil aus dem Alpenraum. So wie in Asien die potentesten Pflanzen unter den kargen Bedingungen des hohen Himalaya in Tibet wachsen, wird man in Europa auch vor allem im Alpenraum fündig.

Tibetische Kräuterheilkunde

Die Tibetische Medizin hat zwar auch sehr alte Wurzeln, ist aber im wesentlichen im 17. Jahrhundert in einem Lehrkanon zusammengefaßt worden, den Medizin-Tantras.

Die Lehre von den Einzelkräutern ist ähnlich umfangreich wie in China, jedoch sind die Kräuter schwer oder gar nicht zu beschaffen. Auch hat sich in der Tibetischen Medizin sehr früh eine Pharmakologie entwickelt, in der die Herstellung von Kräuterpillen eine Schlüsselstellung einnimmt. Die besten werden am Men-Tsee-Khang, der medizinischen Hochschule Seiner Heiligkeit des Dalai Lama hergestellt.

Ich setzte diese Pillen jedoch nicht in meiner Praxis ein. Es gibt hervorragende tibetische Ärzte in Mailand und in Amsterdam, bei denen ich mich vor allem in der tibetischen Diagnostik weitergebildet habe.